J’ai vu le parc…

(traduction libre du poème d’Egon Schiele « Ich sah den Park »)

J’ai vu le parc : vert-jaune, vert-bleu, vert-rouge,
vert-prune, vert-soleil et vert-tremble,
et écouté les orangers en fleurs.
Puis, adossé au mur courbe du parc,
j’ai écouté les enfants aux noeuds roses et semelles de vent,
tout mouchetés de bleu et zébrés de poussière.
Les arbres obélisques s’élançaient vers le ciel
puis s’assirent par terre voluptueusement.
J’ai repensé à mes visions de portraits aux mille couleurs
et j’ai cru un instant
que j’avais conversé
avec chacun d’entre eux.

Cool, sagte Ben.

– Fock killt!
Ben springt auf und holt die Fockschot dicht.
– Das war jetzt absolut falsch! sagt sein Vater.
Am dritten Tag unseres Segeltörns hat sich die ganze Crew an Ernsts Befehlston gewöhnt. Kasernenhofmanier. Der Skipper trägt die Verantwortung, also entscheidet er über alle Manöver. Und vor allem: Keiner handelt ohne Kommando. Das weiß Ben. Sowie er eigentlich weiß, was zu tun ist, wenn der Vorschotmann meldet, dass die Fock zu flattern beginnt. Es muss Gegenruder gelegt werden. Und das darf nur der Steuermann. Und jetzt steht gerade sein Vater am Steuer. Also soll er entscheiden, ob wir uns weiter vom Wind treiben lassen oder ob er riskiert, dass der Großbaum auf die andere Seite hinüber schlägt. Es herrscht Stille am Bord. Ernst versucht durch Feineinstellungen bis zur Grenze des Killens zu gehen. Alle warten auf Anweisungen.

Ernst ist Architekt. Ein Techniker, ein Homo Faber. Für ihn gelten nur Tatsachen. Nicht die Schönheit der Landschaft, der Lichtwechsel des Mondes oder die Röte des Sonnenuntergangs. Isotherme und Isothere. Wassertiefe und Fahrwassergrund. Lufttemperatur und Windstärke. Wenn er gesprächig wäre und literarisch gebildet wie sein Bruder, würde er über diesen schönen Augusttag des Jahres zweitausendvier sagen: Über der Adria befindet sich ein barometrisches Minimum! Selbst abends, wenn wir alle ziemlich erschöpft und ein wenig beschwipst in unsere Kojen fallen und die Ruhe der Nacht und die Frische der Brise durch die offenen Luken genießen, überprüft er an Deck die Ankerhaltekraft, die Bojen, schließt die Luken, kontrolliert das Barometer, die Peilungen, holt noch die letzten Windvorhersagen ein.
– Recht so! meldet dann Max vom Vordeck zu Ernst.
Wir haben jetzt den idealen Kurs. Ernst scheint zufrieden zu sein. Wir segeln zwischen kleinen Inseln, manche karg und felsig, leblos, andere bewaldet, mit Resten römischer Ruinen, von Schafen bewohnt. Keine Häuser, keine Straßen, keine Schiffe in Sicht. Konstanze cremt Ben am Rücken ein. Er hält seine Dreadlocks hoch. Sein Onkel sagt schelmisch: Weil Gott nicht alles allein machen und nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter. Alle lachen bis auf Ernst. Gestern hat er sogar in derselben Situation gesagte: Muss das unbedingt jetzt sein? Aber zur gleichen Zeit entdeckte Katharina ein Paar Delphine, die uns ein kurzes Stück begleiteten und für gute Laune an Bord sorgten. Im Sonnenstrahl schillerten ihre Flossen grünlich, in ihrem Kielwasser hatte der Meeresschaum Regenbogenfarben.

Über uns fliegen jetzt vier Löschflugzeuge zu einem Brand hoch oben auf einem Berg. Pinienwald. Cool! Sagt Ben. Die Wassermassen prasseln auf das Flammenmeer. Die Flugzeuge verschwinden in einer schwarzen Wolke, zerreißen den Rauch und fliegen zurück, um erneut Wasser aufzunehmen. Unaufhörlich. Unsere Männer an Bord streiten über die Wassermenge, die so ein Flugzeugtank wohl fassen mag. Und über Spannweite und Länge der Maschinen. Sie stoppen die Zeit zwischen Wasserladung und Abwurf. Zehn Minuten. Die ganze Operation ist spektakulär. Ein gewaltiges Schauspiel. Für uns aber zeigt sich die Adria von ihrer besten Seite. Die Sonne scheint, der Wind ist ein wenig abgeflaut, wie immer am späten Nachmittag. Aber es geht zügig voran. Wir passieren eine Inselgruppe. Auf Befehl seines Vaters löst Ben ihn am Ruder ab: Kurs halten, auf die Hook! Ernst geht in die Kajüte, die ganze Lage überprüfen: Windstärke, Windrichtung, Windvorhersagen. Von Südwest auf Nordosten drehender Wind. Und Sonne. Er erwägt wahrscheinlich eine Bucht zum Anlegen heute Nacht. Max ist ihm nachgegangen. Jetzt sitzt Robert ganz vorne an Deck. Mit Katharina und Konstanze. Ab und zu vernehme ich ein Lachen, vom Wind verweht. Marie liegt neben mir im Schatten und döst ein wenig. Ihr Bruder steht stolz am Ruder, sich seiner Verantwortung bewusst. Die Sonne spielt auf seiner semmelbraunen Haut, die Salzkristalle glänzen in seinen Dreads und an den Wimpern. Sein nackter Oberkörper hat noch etwas Kindliches, die glatte Brust, die schlanke Taille, der flache Bauch. Ein Adonis. Sie werden ihn lieben, die jungen Studentinnen, wenn wir nach Wien zurückkommen. Sicher wird er im Herbst versuchen, mich alleine zu treffen, mir seine Lokale zu zeigen, mich stolz seinen Freunden vorzustellen: Helen, sie ist Schauspielerin. Oder warten bis einer sagt: Die kenne ich doch vom Fernsehen!
Nett wäre das schon, so eine Geschichte, mit einem viel Jüngeren. fünfzehn Jahre Unterschied! Mein Gott! Nein, ohne Zukunft. Außerdem kenne ich ihn schon eine Ewigkeit, als Schulkind schon, als Marie und ich mit dem Studium begonnen haben; vermutlich hat er in der Pubertät von mir geträumt; nein, das kann ich ihm nicht antun, er ist noch so unschuldig und unerfahren. Er weiß nicht einmal von mir, von meiner Geschichte, von den Anfällen. Steinhof, Pavillon 2. Medikamente, Serotonin, Musiktherapie, Gespräche, dann Pavillon 35, Ergotherapie; und dazwischen immer wieder, jahrelang, Lithium, Familienaufstellung, Verhaltenstherapie; nein, auch für mich ist es zu früh für eine neue Beziehung. Jetzt einmal diesen Urlaub genießen, die frische Luft, das Meer, den wunderschönen Nationalpark, und aktiv zum guten Verlauf des Törns mit meinen Grundkenntnissen beitragen. Später einmal, vielleicht, weiter lernen. Trapezsegeln stelle ich mir toll vor.

Ernst übernimmt wieder das Ruder und beschließt einen Kurswechsel. Da ist Arbeit für alle acht angesagt. Jeder geht auf seine Position und überprüft kurz, ob alles für das bevorstehende Manöver passt. Ich ziehe meine Handschuhe wieder an.
– Klar zum Wenden?
– Klar!
– Holt dicht die Schoten!
Das Anziehen der Schoten macht Spaß und ist ganz schön anstrengend. Ich mag auch das Geräusch der Winsch. Marie reicht Ben die Kurbel, ich halte die Leine gespannt und ziehe dann weiter, während Ben mit voller Kraft die Trommel dreht. Vereinte Kräfte. Unsere Haut berührt sich. Unsere Blicke kreuzen sich. Wir lächeln einander an. Alles läuft wie geplant. Schließlich ist der Wind nicht mehr so stark, und wir sind schon ein routiniertes Team.
– Achtung, Feineinstellung!

Die Sonne hat uns jetzt verlassen, der dritte Tag geht langsam zu Ende. In einer Stunde etwa werden wir schon in einer Bucht geankert haben und einen gemütlichen Abend verbringen können. Und eine ruhige Nacht. Hoffentlich. Wir kreuzen jetzt gegen den Wind.
Nur Narren und Christen segeln gegen den Wind! schreit uns Robert vom Vordeck zu. Ben lacht über seinen Onkel, der in jeder Situation ein passendes Zitat hat oder ein arabisches Sprichwort weiß, weil er sich gerade für einen Kongress im Herbst mit arabischer Literatur beschäftigt. Der kluge, alte Professor. Ein Segen für unseren Törn. Fein, kultiviert, sensibel, literaturbegeistert und kunstinteressiert, das Gegenteil seines jüngeren Bruders. Als wir an unserem ersten Abend Irrlichter gesehen haben, wusste er viele Sagen und Legenden um diese bläulichen Flämmchen zu erzählen. Er sprach von den Irrwischen, diesen Geistern, die sich geheimnisvoll blau flackernd bewegen, um Menschen und Seeleute absichtlich in die Irre zu locken. Er erwähnte die Walpurgisnachtszene in Goethes Faust. In dieser Nacht lässt Mephistopheles ein Irrlicht kommen, das Faust und Mephisto den Weg weisen soll. Erlaub’, dass ich ein Irrlicht bitte! Dort seh’ ich eins, das eben lustig brennt! Und das Irrlicht spricht. Alle hörten gespannt zu, bis Ernst den ganzen Zauber der Erzählung brach, indem er prosaisch erklärte, dass es sich eigentlich um sich entzündende Faulgase handle. Ich merke wohl, Ihr seid der Herr vom Haus! sagte Robert abschließend. Wie können Brüder nur so grundverschieden sein? Der Geisteswissenschaftler und der Natur­wissen­schaftler. Dass seine Tochter ein Literaturstudium gewählt hat und sein Sohn Anthropologie studiert, muss für Ernst ein harter Schlag gewesen sein! Keine Berufe mit Zukunft! Marie unterrichtet, es geht noch, aber Ben? in der Forschung will er auch noch arbeiten. Seitdem sein Onkel vor ein paar Jahren von dem schrecklichen Überfall auf eine Forschungsstätte der Wiener Anthropologen erzählt hat – Ben war damals noch am Gymnasium – will Ben auch nach Äthiopien. Seine Leidenschaft für die Anthropologie hat er sicher von seinem Onkel.
– Fier auf die Schoten, neuer Kurs: raumer Wind!
Wieder folgt ein Segelkommando auf das andere. Die Mannschaft gehorcht. Diesmal drehen Marie und ich abwechselnd die Winschkurbel, während Ben mit aller Kraft die Leine anzieht. Ernst erfüllt am Ruder seine Skipper-Pflichten, Katharina und Konstanze kümmern sich um die Fock, und Max und Robert um die Logbuch-Eintragungen. Auf Kurs „raumer Wind“ besteht keine Gefahr bei dem leichten Wind.
Nun schaut Ben in die Ferne. Was denkt er bloß? Ausgelacht hat ihn sein Vater wieder, als er beim Frühstück vom tollen Sonnenaufgang schwärmte, und zu Mittag, als wir in einer Bucht bei fast Windstille, glattem Meer und Sonne zusammensaßen, und Ben sagte, dass er am Samstag in einem Ort oder in einer Marina anlegen wolle und eine Disco finden. So ein Blödsinn! Hat sein Vater gesagt.
Wie kommt man auf so ein Schiff? Mit solch verschiedenen Leuten, solch verschiedenen Interessen! Max und Katharina in der vorlichen Kajüte Backbord, Ernst und Konstanze in jener an Steuerbord, Robert und Ben in der achterlichen Kajüte Backbord, Marie und ich in jener an Steuerbord. Max und Katharina sind überhaupt sehr diskret. Bei Abstimmungen schließen sie sich immer der Mehrheit an. Max hat auch den Segelschein, gehört schon jahrelang zu Ernsts engerem Team. Einen Arzt an Bord zu haben, kann außerdem Leben retten.
– Cool! sagte wieder Ben, als Max einmal erzählte, dass er an sich selbst einen Hodenbruch operiert habe!
Konstanze, treue Begleiterin, verwaltet die ganze Kombüse, sie hat an alles gedacht: Frühstückssäfte, Eier, Brot, Käse, Salami, Hauptessen, scharf kalkuliert für die Anzahl der Tage und der Passagiere, aber auch Aperitifkekse, Bier, Wein, sogar eine Geburtstagstorte. Geduldige Konstanze, die Ernsts Sticheleien einsteckt: Willst du mich rationieren? oder Hier gibt es keine Schnüre und Stricke, nur Schoten und Leinen! Treue Konstanze, die ihrem Sohn den Rücken eincremt, sich rücksichtsvoll um das Wohlbefinden aller Passagiere kümmert, um Maries gelegentliche Seekrankheit, um meinen seelischen Zustand; geliebte Konstanze, Vorzeigemutter; so eine hätte ich gerne gehabt. Oft schweigen alle an Bord und schauen in die Ferne, aber nicht aus demselben Grund! Ben ist in seine Reiseträume vertieft oder stellt sich Dinge vor, seine Blicke sind manchmal so … Jeder hat seine Träume und seine Traumata. Ich neige immer dazu, zu denken, dass ich die Einzige bin, ich denke an vergangenen Winter zurück und verfalle in Wehmut, aber die anderen? Vielleicht eine Fehlgeburt, eine außereheliche Beziehung, eine unheilbare Krankheit, wer weiß, ob nicht ausgerechnet Ernst, dieser Mustermann, von uns allen das Schmerzhafteste zu verbergen hat? In der Koje erzählte mir Marie Bens Kindheit, ein Nachzügler, verwöhnt und gleichzeitig Sorgenkind: die Asthmaanfälle, jeder Sommer auf Kur mit der Mutter, aber auch, wie sehr Ben seinen Vater bewundert. Trotzdem! Dass sich ein Zwanzigjähriger derart vom Vater behandeln lässt! Ich frage mich, von welchem Gefühl Ernsts Art mit Ben bestimmt sein mag? Ist es Ehrgeiz, den einzigen Sohn richtig erziehen zu wollen, „du wirst ein Mann, mein Sohn“? Ist es Eifersucht, weil die Ehefrau dem Sohn mehr Aufmerksamkeit schenkt, wenn sie etwa beim Frühstück die letzten Tropfen Orangensaft Ben statt ihm einschenkt? Oder ist es seine sachliche Wahrnehmung der Welt, die ihm jede sinnliche verbietet? Gestern Abend, als wir nachts an Deck saßen, wir hatten von Fischern in einer kleinen Bucht Muscheln gekauft, die uns Max vorzüglich mit Tomatensoße und Gewürzen zubereitet hatte, es gab Weißwein dazu, da sah Ernst alles, was wir sahen: den Schattenriss der felsigen Bucht, den Sternenhimmel, und doch war für ihn die Landschaft in der Nacht dieselbe wie bei Tag. Er sah nicht die ganze Poesie des Abends. Sein Bruder zauberte wieder ein arabisches Sprichwort hervor: Eine Frau ohne Bauch ist wie ein Himmel ohne Sterne. Wir begannen den Himmel zu beobachten. Max versuchte den nördlichen Teil des Zentaurs zu erkennen, denn, erklärte er uns, das Sternbild, das in der Antike vom Mittelmeerraum aus noch vollständig sichtbar war, habe sich stark nach Süden verschoben. Robert fügte hinzu, wieso der Zentaur Cheiron von Zeus in ein Sternbild verwandelt wurde. In der griechischen Mythologie wurden die Zentauren als barbarisch und gewalttätig dargestellt. Eine Ausnahme bildete Cheiron, ein Sohn des Titanen Kronos. Cheiron, der als weise und gelehrt galt, war der Lehrer vieler griechischer Helden, so auch des Herakles. Cheiron fand ein tragisches Ende: Als eines Tages Herakles von dem Zentauren Pholos aufgenommen und bewirtet wurde, kam es zum Streit, da einige vom Wein berauschte Zentauren den Helden angriffen. Im folgenden Kampf wurde Cheiron versehentlich von einem vergifteten Pfeil des Herakles getroffen. Er war zwar unsterblich, doch das Pfeilgift hätte ihm ein langes qualvolles Dasein bereitet. Um Cheiron von seinen Qualen zu erlösen und ihn dennoch unsterblich zu machen, versetzte ihn Zeus an den Himmel. Ich kannte die Geschichte, weil ich einmal in Südfrankreich Bourdelles Statue vom sterbenden Zentauren gesehen hatte. Ben kannte auch die Geschichte, aber aus der Mickey-Maus! Ernst zuckte nur mit den Schultern.

Zur späten Stunde, als Ernst sich ums Logbuch in der Kajüte kümmerte, und Katharina und Konstanze schon schlafen gegangen waren, erzählte Max etwas Unglaubliches: Er habe von seiner Stiefmutter, Erna, ein Schiele-Bild geerbt.
– Cool, sagte Ben, ein echter Schiele?
– Ja, gemalt für seine Schwester am Weihnachtsabend 1905, mit fünfzehn. Weiße Schneerosen und dürre Zweige in einem Krug, davor eine Orange.
Robert fragte nach, ob er sich der Provenienz sicher sei, angesichts der vielen Prozesse von enteigneten jüdischen Emigranten, worauf Max erzählte, dass es einen alten Mann gebe, einen angeheirateten Onkel, der wisse, woher das Bild wirklich stammt. Und eine französische Freundin habe ihn über einen Freund in der Albertina mit Jane Kallir in New York, der Herausgeberin der Schiele-Monographie, in Kontakt gebracht für eine Expertise. Mehr dürfe er zum jetzigen Standpunkt nicht verraten. Ben war ganz aufgeregt, stellte sich vor, dass das Bild vielleicht Raubgut der Nazis sei, dass man einen Film daraus machen könne, in dem ich die Hauptrolle spielen solle! Wir unterhielten uns weiter über Schiele, über sein Schaffen, seine expressionistischen Gedichte, seinen Tod an der spanischen Grippe. Ben interessierte sich sofort für die Symptome, fragte Max, ob sie spektakulär seien, er habe nämlich einmal einen historischen Film gesehen, wo die Leute Blut schwitzten. Max erzählte ihm gruselige Details über die spanische Grippe und über die Syphilis-Epidemie, die während des Ersten Weltkriegs kursiert war, und von da weiter über die verheerenden Verstümmelungen und Nervenschäden nach den Giftgasangriffen. Ben war hingerissen und dachte sofort an einen Besuch im Pathologischen Museum im Narrenturm. Ich bin mir sicher, er hat es vergessen, sobald wir in Wien sind.

Es ist schon recht frisch geworden. Abwechselnd holen wir Pullover von der Kajüte, Marie und ich auch unsere Bücher. Sie liest den letzten Erzählband von Judith Hermann. Das Coverbild erinnert an den Nachthimmel, unter dem wir hier einschlafen. Herzzeit. Ich schlage mein Buch auf. Die Korrespondenz zwischen Bachmann und Celan. Ein Buch, würde Robert sagen, ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt. Ein Garten, in dem man sich verirren kann.
Wir nähern uns einer kleinen Bucht. Sie ist vor Wind und Wellen geschützt. Wir sind allein. Idyllischer Platz, lagunenklares Wasser. Die Vegetation auf der Insel ist spärlich. Backbord Maquis: dichte, stachelige Büsche. Steuerbord ragen Felsen heraus, Geröllfeld, der Kalkstein in der Abendsonne hat sich rosa und moosgrün gefärbt. Im blauen Himmel, der Mond als liegende weiße Sichel. Wir werden hier ankern, später eine Runde schwimmen, vielleicht ein nächtliches Bad. Konstanze und Katharina sind schon in der Kombüse und bereiten unser Abendessen vor. Die Fock wird geborgen. Ernst überprüft die Wassertiefe und den Wassergrund. Max legt die erforderliche Leinenlänge am Vordeck klar.
– Fallen Anker! Nach dem lauten Getöse der Ankerkette, scherzt Ben:
– Klar Deck überall!
– Führst du das Boot oder ich? kann sich sein Vater nicht verkneifen.
Wir stehen mit dem Heck etwa fünf Meter vom Land weg. Ernst überlegt Sicherheitsleinen anzubringen. Marie und Max rudern mit dem Beiboot an Land, um eine Heckleine zu befestigen. Den Heckanker werden wir zusätzlich als Reitgewicht ausbringen.
Ein Duft trockener Erde und Nadelhölzer strömt bis zum Boot. Ginster, Myrte, Rosmarin. Vom Ufer aus ruft uns Marie fröhlich zu:
– Feigenbäume! Voll Früchte!
Und Ben sagt: Cool!

 

Amanda Gorman, c’est moi !

Ich hätte gerne Dreadlocks oder so Zöpfe. Damit ich Toni Morisson ins Französische übersetzen darf. Oder Amanda Gorman. Meinen Sie, es würde reichen? Oder bin ich zu … alt? Oder müsste ich als literarische Übersetzerin ein alter weißer Mann sein, um Thomas Bernhard zu übersetzen, oder um Orhan Pamuk zu lesen? Comprendre Roudaki ou Hafez de Chiraz ? Lire Rûmî ou bien Omar Khayyām ? Comment peut-on sans être Persan ? Muss ich im Gefängnis gewesen sein, um Empathie für Asli Erdogan zu empfinden? Vergewaltigt worden sein, um Virginie Despentes zu verstehen? Wer ist dann in der Lage, Virginia Woolfs Orlando zu übersetzen?

Ich erhebe den Anspruch, über meinen Personenstand hinaus übersetzen und schreiben zu dürfen. Um mit Fiston Mwanza Mujila zu sprechen: „Mein Reisepass ist die Literatur“.

Denn … in meiner Jugend war ich schon Steppenwolf, Dorian Gray, Moby Dick,
Gustav von Aschenbach, mehr Goldmund als Narziß.
Unlängst war ich Charlie, Malala, Taslima,
Hausfrau in Filzpantoffeln, Stöckelschuhdomina,
A person of color, ja, a skinny Black girl,
habe mich sogar verwandelt in Angel Catbird.
Ich war Kampflesbe und Baby Queer.
Ich war schon Proust und Edouard Louis,
bin die deutsche Nina Bouraoui.
Ich war schon Ronnie und Rhonda,
sogar Shafia und Donia,
und auch Luan und Lydia.

Mitunter bin ich mir selbst so fremd, dass es keinen Unterschied macht,
ob ich über mich oder andere schreibe.
Und tief in mir fühle ich mich manchmal wie ein alter weißer Mann,
tief in mir bin ich oft lesbisch, schwul, jüdisch oder schwarz,
bin Superheld Iceman, Supermans Sohn und Catwoman.
Durch Hokuspokus, Simsalabim und Abracadabra,
En vérité, je vous le dis, Amanda Gorman, c’est moi !

Heute bin ich Ann Air.
Heute bin ich on air,
et comme Stromae je veux „lever mon verre
à ceux qui n’en ont pas”
de plume ni de voix.
Je veux lever ma voix,
Parce qu’aujourd’hui, tu vois,
Amanda Gorman, c’est moi !
Comprenne qui pourra.

Gebt mir eine Feder, die voll genug ist, und ich kann die Welt übersetzen.
Ich glaube, ich habe ein Schreib-Syndrom:
Ich möchte gerne für alle schreiben –
ich meine für die, die die Sprache nicht haben,
oder nur die native wie das Olivenöl.

Und über alles schreiben,
im Präsenz und im Singular,
im Plusquamperfekt, im Plural,
Für Tote und für Lebende,
Requiems, Memento mori,
für dich light, vegan und verträglich,
für dich vielleicht ganz schwer verdaulich.
Ich möchte schreiben für die vierte Wand und die gläserne Decke,
für die hintere Reihe und für dich, in der Ecke,
ja, du, ich könnte deine Echó sein,
dich von Fesseln befreien,
deine Verrenkungen heilen,
„Bein zu Bein, wie geleimt sollen sie sein“.

Denn die Feder soll stärker als das Schwert sein.
Oui,
la plume est plus forte que le glaive –
comme il avait raison, Césaire –
wahr, ein schreiender Mensch ist kein tanzender Bär.
Une femme qui crie n’est pas un ours qui danse,
une femme qui écrit est un homme qui pense
–   ses mots
et un être qui panse
–   les maux,
qu’elle parle pour elle ou qu’elle parle pour iel,
elle parle pour ceux qui n’ont pas voyagé,
qui n’ont jamais rêvé,
qui n’ont jamais osé.

Ich könnte eure Sappho sein,
eure Colette, eure Virginia,
oder noch eure Djuna
Barnes und eure Erika
Mann, und eure Yourcenar;
ou l’écrivaine amoureuse
                   et l’amante sauvage Annemarie Schwarzenbach.

Seid mein lyrisches Ideal, mein si­byl­li­nisches Idyll,
lasst euch besingen, konjugieren,
deklinieren, rezitieren,
sogar ganz kitschig deklamieren,
auf Deutsch oder lieber Französisch;
Lasst dies mein Fado, mein Blues sein,
mein Schwanenlied, mein Abgesang.

Seid doch mein Füllhorn der Gefühle,
meine Bleifeder, meine SchreibzeugInnen,
meine ewige Quelle und mein Ozitozin,
mein Antidot zur Melancholie,
meine Kornkammer der Inspiration.

Hiermit ist in den Stein gemeißelt und in Tinte gegossen,
auf Papier eingraviert, jetzt in den Raum gesprochen:
durch Hokuspokus und Abracadabra,
Amanda Gorman, c’est moi !

Défense d’afficher / Plakatieren verboten

Sicile, Catane (mais cette fois, c’est pas moi, je le jure !)
                              

Maroc : Casablanca, Essaouira, Marrakech
             

Belfort

Adele Kurzweil
 

 

Moissac, Frankreich

Auvillar, Frankreich
 

Saint-Sauveur en Puisaye, Frankreich
 

 

Vietnam, Saïgon (Hô-Chi-Minh-Ville)

Paris, Rue Ronsard

Vienne/Wien
 

Lisbonne
      

Marrakesch

Prague / Prag

Montauban
 

 

 

Vienne / Wien
Sandwirtgasse mai 2017 Donaukanal Nussdorf 5  Donaukanal Nussdorf 2   Donaukanal Nussdorf 1

Madrid
Sevilla I Madrid 25 avril 2017

Séville / Sevilla
Sevilla II Argote de Molina

Vienne / Wien
  Gymnasiumstraße 1  Gymnasiumstraße 2   Gymnasiumstraße 4
  Stollgasse 1  Sandwirtgasse mars 1  Sandwirtgasse février 2017

Montauban
Montauban   Montauban

Nice /Nizza
Cours Saleya 4

Klosterneuburg

Vienne / Wien
   Schäffergasse Sandwirtgasse 14  
Zieglergasse 

Geiseln

Auszug aus « Geiseln », deutsche Übersetzung des Romans Otages von Nina Bouraoui, Elster & Salis, 2021

Ich kenne keine Gewalt und habe nie Gewalt erfahren, keine Ohrfeigen, keine Schläge mit dem Gürtel, keine Be­schimpfungen, nichts. Selbst die Gewalt in uns, die wir auf den anderen, auf die anderen übertragen, selbst die ist mir fremd.
Das ist ein Glück, ein großes Glück. Wenigen von uns geht es so, das ist mir bewusst. Natürlich weiß ich von der Gewalt auf der Welt, aber sie geht mir nicht unter die Haut.
Ich habe meinen Schutzmantel, so bin ich nun mal: Ich erkenne das Böse. Ich lasse mich nicht vergiften. Ich habe mein Inneres zu einer Festung gemacht. Ich kenne jede Kammer, ich kenne jede Tür. Ich kann sie schließen, wenn ich sie schließen muss, öffnen, wenn ich sie öffnen muss. Das funktioniert gut.
Freude will erworben sein. Sie fällt nicht vom Himmel. Freude, das sind unsere Hände in der Erde, im Schlamm, im Lehm, dort können wir sie greifen und erfassen.
Ich habe diese Freude gesucht, wie besessen, doch wenn ich sie mal gefunden hatte, ist sie mir wie ein Vogel wieder entflogen. Ich habe mich damit abgefunden und weiter ge­macht, ohne mich allzu sehr zu beklagen.
Klagen belastet mich und die anderen. Es ist auch banal und kostet nur Zeit.
Meine Zeit ist begrenzt und kostbar. Ich fühle mich so oft getrieben, gehetzt. Manchmal würde ich lieber die Wol­ken am Himmel vorbeiziehen sehen oder auf dem Wald­boden liegen, mit geschlossenen Augen, das Feuer der Erde spüren.
Ich liebe die Natur. Ich glaube an sie, wie andere an Gott glauben. Es ist dieses Gefühl von Fülle, das Empfinden von Größe, jedes Mal dieses Staunen: das Geheimnis der Jahres­zeiten, die Tiefe der Ozeane, die Wucht der Gebirge, die Farbe des Sandes und des Schnees, der Duft der Blumen und der Moose im Wald, die unendliche Weite, die uns so klein er­ scheinen lässt.
Ich bin nie zusammengebrochen, niemals, auch nicht, als mein Mann vor einem Jahr gegangen ist. Ich habe standge­halten. Ich bin stark, Frauen sind stark, stärker als Männer, sie verinnerlichen das Leid. Für uns ist Leiden normal. Es ist Teil unserer Geschichte, unserer Geschichte als Frauen. Und es wird noch lange so sein. Ich sage nicht, es ist gut so, aber ich sage auch nicht, es ist schlecht. Es ist sogar von Vor­ teil: Wir haben keine Zeit, lange zu jammern. Und wenn wir keine Zeit haben, gehen wir zum Nächsten über. Erledigt. So stören wir niemanden.
Als mein Mann mich vor einem Jahr verlassen hat, habe ich geschwiegen, ich habe nicht geweint, habe nichts an mich herangelassen und nichts rausgelassen, wie bei der Gewalt war ich die Ruhe selbst.
Es kam wie aus dem Nichts, schließlich waren wir mehr als fünfundzwanzig Jahre zusammen. Fünfundzwanzig Jahre sind eine lange Zeit. All diese Jahre bestehen aus Ge­wohnheiten, auch aus Liebe, aber, seien wir ehrlich, vor allem aus Gewohnheiten, aus einer Reihe von Alltäglichkeiten. Es ist wie bei einem Band, das wir ausrollen und das sich unaufhörlich weiter entrollt, kein Ende in Sicht, und nur manchmal denken wir an dieses Ende, ohne wirklich daran zu glauben.

Funkfeuer

Sommernacht. Der Wind ist still, der Himmel wolkenfrei. London hat die Nachricht gesendet: « Auf der Heide blüht die Erika. » Und ihr seid mit dem Fahrrad zum Landeplatz gefahren. Diesmal bist du richtig dabei. Es wird nicht einer von diesen blinden Abwürfen, bei denen bestenfalls Waffen oder Sender in einem Weidenkorb landen, oder wo manchmal der Fallschirm nicht aufgeht und der Container mit einem Mordslärm gegen den Boden knallt und Hunderte von Zigaretten ins Gras gestreut werden.
Nein, diesmal ist es aufregender. Du weißt, dass der Pilot landen wird. Allein mit deiner Hilfe.
Das Dorf, dessen Café noch am Nachmittag voll Kartenspielern und Mädchenlachen war, schläft, gehüllt in Feigheit und Angst. Und ihr, Armee im Schatten, bereitet die Bodenmarkierung in der Form eines großen Buchstabens vor und versteckt euch im Gebüsch, mit eurem Geheimnis. Trübsinniges Warten, langes Schweigen, wo du Gräser zu einem Brautkranz flichst und alle Details im Kopf noch einmal durchgehst.
Auf der Lauer richtest du deinen Blick auf die schwarze Horizontlinie des Waldes. Da kommt er, dieser ersehnte bauchige Vogel aus dem Nordwesten, allein vom Vollmond beleuchtet. Jetzt heißt es laufen, Taschenlampen anlegen und den Landeplatz mit Blinkfeuer signalisieren. Ja, er hat es gesehen und blinkt zurück. Es dauert keine zehn Sekunden, bis die dröhnende Maschine wie ein zahmer Meeresvogel gelandet ist, sich um den eigenen Flügel gedreht hat und wieder abflugbereit dasteht.
Im Nimbus des glänzenden Metalls sitzt der Pilot im finsteren Sitzraum, verschwommener Umriss, das Gesicht im Dunklen versteckt, wie noch von dem Gedanken betäubt, das Unmögliche gewagt zu haben: diesen blinden Nachtflug ohne jegliches Licht als die Kontrolllampen des Leuchtzifferblatts, ohne jegliche Hilfe als die des Gyroskops und eines Höhenmessers. Jener berauschende Gedanke entlockt ihm ein plötzliches Lächeln, und seine Zähne strahlen im fahlen Glanz des Mondes.

Wenn es Nacht wird in Paris

Es ist um die Ecke der Rue du Quatre-Septembre und der Rue Louis-le-Grand. Du sitzt zum ersten Mal in diesem fast leeren Café. Du wartest auf deinen Bruder, Louis, Codename Tukan. An einer der getünchten Scheiben des Cafés ist über der Spitzengardine « Chope de l’Opéra » zu lesen, spiegelverkehrt. An diesem lauen Septemberabend tragen die Frauen noch Sommerkleidchen und fahren Rad mit flatterndem Haar. Ein Lieferwagen fährt vorbei mit der Aufschrift « Viandox », und in der anderen Richtung ein Briefträger mit Käppi und Umhang. Im Radio singt Fréhel Mon amant de Saint-Jean, zu dem du so oft mit Mimi getanzt hast, als es noch Bälle gab. Der Spiegel hinter der Theke wirft dein müdes Bild zurück, deine absinthgrünen Augen, den Zinktisch mit der Gauloise im Aschenbecher und dem Gläschen in seiner Bakelitschale. Es ist eine Zeremonie. Du legst den durchbrochenen Löffel auf das Glas, die Einkerbung am Glasrand, drauf einen Würfelzucker, mit Likör getränkt, du zündest das giftige Anisgetränk an, und der trügerische Geist verdunstet, ätherblau. Durch die Verzierungen des Löffels bilden sich goldene Tröpfchen, die langsam ins Glas fallen. Vorsichtig gießt du ein wenig Wasser über den Zucker und siehst, wie eine kleine weiße Wolke sich im Glas verbreitet, bis das ganze Getränk wie frostiger Reif aussieht. Flüchtiger Genuss. Ein erster Schluck, du schließt gar deine Augen, und du verfällst der tiefen Bitternis alter Erinnerungen.
Reifenknirschend halten zwei schwarze Citroëns neben dem Trottoir an. Drei Männer überfallen das Café. Ledermantel, rote Armbinde, dunkle Brillen, Maschinenpistolen, Revolver. Alles geschieht sehr rasch. « Police! Haussuchung! » Wenig Worte genügen. Die Karte ist trikolor durchgestrichen. Ein Tisch wird umgeschmissen, eine Bodenklappe aufgerissen. Ein fahles Licht brennt im Kellerraum. Du vernimmst noch auslaufende Maschinengeräusche. Schwere Schritte auf der Holztreppe. Und dann die laute Stimme. Karge Worte. Ein Schuss. Zwei Männer werden keuchend die Treppe raufgestoßen, die Hände über dem Kopf verschränkt, die Ärmel aufgekrempelt. Sie haben Tinte im Gesicht, Blut auf dem Hemd. Mit wirren Blicken gehen sie an dir vorbei, auf die Straße, wo sie in die Autos gedrängt werden. Auch den Cafébesitzer haben sie mitgerissen.
Seitdem ist es schon lange dunkel geworden. Das Café ist geschlossen, und du hast deinen Absinth nicht ausgetrunken.

Ohnmacht / Si c’est un homme

Ohnmacht
[Fresnes, Winter 1944]

„Es ist genug“, hat eine Stimme gesagt, und du bist kollabiert.
Wie lange warst du bewusstlos, wie lange?
Du hängst noch immer zwischen den zwei Stühlen, Hände und Füße an einen Holzbalken gefesselt, wie geschlachtetes Wild.
Das Blut pocht in den Schläfen,
die Augen wie geplatzt.
Sie haben dich verprügelt,
dir die Zehen zermalmt, die Nägel ausgerissen.
Klaffende Brauen,
schwärende Lippen,
Schlieren im Mund,
die Zunge angeschwollen.
Le sang palpite aux tempes,
la langue, suppurante,
les lèvres, plaies béantes.
Comme un gibier saignant…

Nun bist du allein in der Zelle, allein mit dem Brennen im Hals und dem Gestank des eigenen Urins und der eigenen Kotze. Ekel.
Noch lebst du also.

Auf den spasmischen Schmerz folgt die langsame Höllenfahrt, die Agonie.
Du hörst singende Stimmen, Wahnsinnsschreie,
das Grölen der Wächter, das Bellen der Hunde,
du lauschst den hallenden Schritten der Schatten. Sie werden wieder kommen.

So viele schlaflose Nächte, so viele finstere Tage. Und die machtlosen Tränen.
Mit einer Glasscherbe hast du deinen Namen und „Vive la France!“ in die schimmelnasse Wand geritzt, neben der Stelle, wo steht: „À ma mère, Courage! Richond Roland, 2 octobre 1943“.

Nein, sie werden dich nicht kriegen, du wirst diesen Todeskampf gewinnen.
Und morgen wirst du wieder leben.
Und du wirst wieder lächeln,
und du wirst wieder singen,
und du wirst wieder lieben.
Oder vielleicht …

« Si c’est un homme »

Une voix a dit « ça suffit », et tu as perdu connaissance. Combien de temps ?
Tu es toujours suspendu entre ces deux chaises, mains et pieds entravés, attachés à la poutre,
gibier agonisant.

Le sang palpite aux tempes,
tes yeux dilacérés.
Ils t’ont roué de coups,
tes orteils sont broyés,
tes ongles arrachés.

Les sourcils, plaies béantes,
les lèvres suppurantes,
la langue purulente.

Tu es seul dans la cellule,
seul avec cette brûlure à la gorge et la puanteur de ton urine et de tes vomissures. Dégoût.
Mais tu es en vie.

Après les convulsions, les spasmes de douleur, c’est la descente aux enfers, une lente agonie.
Tu entends des voix chanter,
puis des cris de folie,
les abois des gardiens,
le feulement des chiens.

Tu guettes les pas résonnants des ombres.
Tu sais qu’il faut tenir
parce qu’ils vont revenir.

Tant de nuits sans sommeil,
tant de jours sans lumière.
Seules tes larmes muettes.

Avec un bris de verre tu as écrit ton nom et puis : « Vive la France ! » au mur de moisissure,
à côté de l’endroit où un autre, avant toi, avait écrit : « À ma mère, Courage ! Richond Roland, 2 octobre 1943 ».

Mais ils ne t’auront pas, et tu vas gagner ce combat.
Et demain, tu verras,
tu réapprendras à aimer,
à chanter et puis sourire,

ou bien tu cesseras de vivre.

 

Über das Übersetzen

„Die Sache Gorman“ geht von einer falschen Prämisse aus, denn die Debatte dreht sich um die Frage: „Wer darf übersetzen?“. Die Teilnehmer:innen behaupten, sich mit dem Handwerk des literarischen Übersetzens auszukennen und urteilen zu dürfen. Damit entsteht ein verzerrtes Bild der Mechanismen des Berufs. Beim literarischen Übersetzen (viel mehr als bei jeder Art von juristischer oder technischer Übersetzung etwa) lautet die Frage nicht, wer darf, sondern wer kann. In erster Linie.

Wovon reden wir, wenn wir von literarischer Übersetzung sprechen? Abgesehen von einer fundierten Sprachkompetenz in beiden Sprachen soll sich die Übersetzerin in eine fremde Welt, einen fremden Sprachduktus, eine fremde Perspektive einfühlen können. Im Grunde müsste es sogar möglich sein, Texte werkimmanent zu übersetzen (was bei älteren Texten manchmal nicht anders geht, aufgrund fehlender biographischer oder historischer Quellen). Natürlich ist das Einbeziehen biographischer, kultureller, historischer Bezüge von Vorteil, im Falle Gorman sage ich sogar unumgänglich, da diese auf den Text einwirken. Und weil bestimmte Begriffe je nach Alter, kulturellem Kontext, Hautfarbe (jawohl!), sexueller Orientierung eine andere Konnotation annehmen können. Ich meine ein Erkennen von Stilmitteln und kulturellen und biographischen Hintergründen.
Also im Fall von „The Hill We Climb“ das Erkennen von typischen Mitteln der Spoken Word Poesie: Die Reime sind zwar nicht sehr recherchiert (arms/arms, it/it/it), und es gibt auch ungereimte Verse mit fallendem Rhythmus, dafür sind die Assonanzen (arms/arms/harms/harmony, If we merge mercy with might/and might with right) und die Alliterationen (we grieved, we grew, we tired, we tried, weathered and witnessed, benevolent but bold, our inaction and inertia/will be the inheritance) umso reicher; der Rhythmus, wie ein Staccato (of what just is/isn’t always just-ice), die absichtlichen Wiederholungen (We will rise from…; if only we’re brave enough…; that even as we…). Bei diesem Gedicht sollten auch intertextuelle Bezüge berücksichtigt werden (in this faith we trust, everyone shall sit under their own vine and fig tree).
So viel zur „hermeneutischen Leistung“ einer Übersetzerin.

Der Einwand, dass eine nicht-binäre weiße Europäerin (Marieke Lucas Rijneveld) oder ein alter weißer Katalane (Víctor Obiols) nicht befugt sein sollen, eine zierliche Afroamerikanerin in ihre Sprache zu übersetzen, ist genau so sinnlos, wie wenn man den Leser:innen oder Hörer:innen einer Literatur, ob im Original oder in Übersetzung, die aus anderer „Herkunft“ als der eigenen stammt, die Fähigkeit zur Empathie absprechen würde. Empathie für die Autorin, den Autor, die Figuren oder die geschilderte Thematik (Rassismus, Homophobie, Shoah, Armut…).
Leser:innen und Übersetzer:innen können sich in die Autorin hineinfühlen. Als Leser kann und will man in die Haut anderer, fiktiver oder non-fiktiver Figuren schlüpfen. Aus dem Grund lesen wir doch! Und aus eben dem Grund übersetzen wir auch.
Es macht keinen Sinn, zu fragen, ob man dasselbe Alter, Geschlecht, dieselbe sexuelle Orientierung, Hautfarbe, politische Gesinnung haben sollte, um eine gute Übersetzerin zu sein, ob man als Frau Stendhal und Flaubert übersetzen darf (Elisabeth Edl), als weißer Mann Toni Morrison (ins Deutsche u.a. Thomas Piltz), ob man ein junger Homosexueller aus dem Arbeitermilieu sein muss, um Édouard Louis zu übersetzen, ob man im Gefängnis gewesen sein muss, um den chinesischen Dichter Liao Yiwu, Vergewaltigung oder Inzest erlitten haben muss, um Virginie Despentes oder Christine Angot zu übersetzen. Oder wie Kollege Frank Heibert es auf den Punkt bringt: „Wer den Ödipus übersetzt, muss nicht zuvor den Vater umbringen und mit der Mutter schlafen.“ Es kursieren viele derartige Witze, etwa „Herman Melville war kein Wal“ (Jo Lendle).
Soll also Amanda Gorman von einer zierlichen, jungen Schwarzen übersetzt werden, um von jungen schwarzen Europäerinnen gelesen zu werden? Unsinn!

Es soll aber nicht bedeuten, dass wir uns beim Übersetzen die Frage der Identität und der Identifikation nicht stellen. Wir kennen unsere Fähigkeiten und unsere Grenzen: Wenn uns ein Text unzumutbar vorkommt, werden wir ihn ablehnen – das gehört zu unserem Berufsethos, meinem jedenfalls. Fühlt sich ein:e Übersetzer:in der experimentellen Sprache der Oulipo oder der Kanak Sprak eines Zaimoglu nicht gewachsen, wird er, sie sich wohl nicht daran heranwagen, aber das hat nichts mit Identitätsfragen zu tun, sondern mit der Einschätzung der eigenen sprachlichen Gestaltungsfähigkeit. Mit der Zeit und der Erfahrung entwickelt man übrigens auch gewisse Affinitäten für Genres, Thematiken und Autor:innen.

Was ist also bei der Geschichte passiert? Bei Gormans Gedicht geht es um etwas anderes. Es ist kein Meilenstein der Literatur, sondern viel mehr ein politisches Statement, fast ein historischer Moment.
Die Verlage haben da einen Marketing-Coup geschnüffelt. Ich nenne es die Bling-Bling-Seite des Literaturbetriebs. Es musste schnell gehandelt werden, es ging um Medienaufmerksamkeit, damit um kommerziellen Gewinn. Die inkriminierten Verlage haben da eine Bresche geschlagen, und die social media, Medien und Kritiker sind ihnen blindlings gefolgt.
Für den holländischen Verlag war klar, dass Rijneveld, die gerade den Booker Prize 2020 gewonnen hatte, für Prestige sorgen würde. Ihre Eigenschaft als nicht-binäre Person – die immer wieder betont wird – schien ein Patent zu sein für ihre Empathie für jede Form der Minderheitenunterdrückung. Es ist etwas Wahres daran. Das Team Gormans hatte auch sofort zugestimmt, so der Verlag Meulenhoff. Sie hätte vermutlich ein gutes Gedicht geschrieben. Wie ihr „Rückzugsgedicht“ gezeigt hat. Sie kann das. Und wird eine junge holländische Schwarze das besser machen, weil sie schwarz ist? Empfinden alle jungen schwarzen Frauen gleich, weil sie schwarz sind?

Mein Fazit: Es ist schade, dass wirtschaftliche Interessen auch in der Literaturbranche an Boden gewinnen. Wir Übersetzer:innen arbeiten ständig an einer besseren Sichtbarkeit. Diese Debatte hat uns zwar sichtbar gemacht, aber indem sie die Übersetzung instrumentalisiert, nicht ihre Möglichkeiten ausgeleuchtet hat.
Dabei stehen wir durch unsere Arbeit für eine inklusive, kosmopolitische, solidarische und empathische Gesellschaft. Durch das Übersetzen machen wir Ungerechtigkeiten, Minderheiten, andere Lebensformen sichtbar und begreifbar. Wir übersetzen trotz oder jenseits der Unterschiede in Geschlecht, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung. Wir wollen mit Sprache verbinden, nicht spalten. Im Sinne von Amanda Gormans Gedicht:

we are striving to form a union that is perfect.
We are striving to forge a union with purpose,
to compose a country committed to all cultures,
colors, characters and conditions of man.
We’ve seen a force that would shatter our nation
rather than share it.

Oder, den Gedanken des freien Markts weiterspinnend, warum nicht mehrere Fassungen des Gedichts übersetzen lassen? Oder Übersetzungsteams bilden, wie die Freud-Übersetzungen in Frankreich, oder der deutsche Verlag Hoffmann und Campe, der das Gorman-Gedicht von drei unterschiedlichen „Expertinnen“ übertragen lässt: der Übersetzerin Uda Strätling, der schwarzen Journalistin Hadija Haruna-Oelker und der Muslimin und Feministin Kübra Gümüşay. Denn, wenn man dem Verleger Tim Jung glaubt,
„steht am Ende ein fantastisches Ergebnis“.

Photos de voyages

ashirvada

Je suis ici et rêve d’un voyage,
là-bas,
dans ces vallées riantes aux temples sacrés,
sculptés dans le bois du Népal,
ou monastères taillés dans le roc des falaises,
au bord de lacs immenses aux eaux d’émeraude.
Inde des méditations sereines, des sages anachorètes
vivant dans l’ombre fraîche et parfumée des forêts.
Inde desséchée, brûlante et tragique.

 

Hiver breton

Poussière d’embruns.
Le vent, l’Océan.
Rochers massifs qui déchirent les vagues en dentelle d’écume
et que la mer, parfois, engloutit.
Falaises abruptes ; douceur aux yeux du velours du calcaire.
En haut de la falaise, la lande.
Une pluie fine enveloppe la bruyère et le genêt, comme pour en préserver les couleurs ; seules tâches vives de tout le paysage.
Peut-être aussi une chaumière isolée, tranquille.
A l’intérieur des terres on se protège de l’Océan par des églises, des calvaires, des gargouilles grotesques.
Plus au sud, une longue plage déserte bordée de grands hôtels aux toits d’ardoise froide. Ici le sable est sombre, humide, loin des dunes dorées et chaudes qui ondulent entre les pins comme les hanches d’une femme.
Et toujours la violence du ressac, ce va-et-vient incessant, régulier, langoureux.
Presque obscène.

Parfois seulement, passe une silhouette. Irréelle.
Manteau de pluie, col relevé et mains dans les poches. Glacées.
Les pas crissent doucement ; elle a froid.
Le regard fixé sur la ligne de l’horizon.
Là-bas.
Là où il n’y a plus de voile blanche qui flotte dans le vent.
Pas même un vol de goélands.

 

« Windwinterland »

Les vents se déchiraient au faîte de la cathédrale
et les airs n’étaient plus que poussière de nuages.
Les premiers rayons promettaient l’arrivée du printemps
et les bruits de la ville, étouffés sous les amas de neige,
semblaient tout à coup remonter de la terre :
les sabots des chevaux sur les pavés de bois,
le grincement aigu du tramway sur le Ring,
le bruissement des feuilles, les aboiements, les rires.

Elle aurait décidé de s’ouvrir à l’éveil de la ville dans un café viennois.
Sur le guéridon centenaire, une tasse brune et chaude sur un plateau argenté – Elle se dirait que, quatre-vingts ans plus tôt, à cette même table, elle aurait eu une robe de dentelle et de cretonne, un grand chapeau de crêpe et des colliers de perles. Et sur la table, sans doute, une absinthe.
Elle serait là assise, et, avec l’impatience de sa jeunesse, elle attendrait quelqu’un.
Et ce quelqu’un, ce serait vous.

 

Pierres cathares

Pays de merveilles et d’émotions que ce coin de terre aride au flanc des Pyrénées.
Les maisons de pierre ocre chauffée au soleil.
L’ombre de la pergola au café du village.
Le silence, le calme. Rien ne bouge. Seuls les chats lascifs sur les parvis de ciment frais des maisons aux volets fermés.
Ici on ne triche pas. C’est la France profonde avec ses traditions, sa culture ancestrale. Entre France et Espagne, collines et plaines, vallons secs des Pyrénées.
Florilège des sens : vins, miels, fromage de brebis et pain de froment
– et l’accent si fort qui racle la gorge de ceux du pays,
ces fils des montagnes.

Isolée comme un navire de pierre
flottant sur une mer de galets, la forteresse se dresse sur son pog. Irréelle.
On dirait un sanctuaire ou quelque temple aztèque ; on la dit temple du soleil.
On croirait qu’on ne peut l’atteindre. Mais, pierre à pierre, on conquiert le sommet.
La chaleur, le soleil, la poussière. Les buis qui piquent les mollets.
Puis le ciel pur. Vertige au-dessus du vide.
On aperçoit alors au pied du roc la croix occitane et le champ des crémats.

Je n’ai pas vu le rayon pourpre sur la muraille : soleil levant au solstice d’été.
Et disparu le trésor ou caché depuis sept siècles.
Oubliés les cris, les flammes et les larmes.

Près du château, le lac. Au bord, les roseaux, l’herbe est fraîche, le soir tombe.
Dans un sous-bois, un ruisseau bordé de jeunes noisetiers
où le soleil se joue encore des feuillages clairs et tendres.
Lumière irisée, pour quelques heures encore,
avant la nuit, le froid, l’oubli,
sur les roseaux, les pierres, la poussière et les cendres.

 

De brique rouge et de soleil

Impressions très nettes d’un printemps passé.
Visions nostalgiques.
J’ai envie d’une église romane. Je revois, autour, la place brûlante et la poussière.
Le corps exulte de chaleur.
Le ciment frais et l’ombre du parvis, la lourde porte.
Je l’aime parce qu’elle est fraîche et presque vide ; seules des briques rouges dans la pénombre, la patine douce des bancs de bois sombre et les orgues divines.

Je me souviens des bords du canal ombragés de platanes et des plates-bandes odorantes et colorées ; les berges de Garonne où La Grave se reflète, et sur les quais, sous les ponts, les gazons encore verts, douceur pour les yeux.

Mais je revois surtout un grand appartement avec vue sur les toits. Presque vide. Les murs sont blancs. Devant les fenêtres ouvertes, de grands voiles mouvants. Le soleil filtre à travers les persiennes et forme sur le mur un motif de dentelle.

L’air est lourd, peu de vent.
Dehors la ville est morte.

La pièce est presque vide, je l’ai dit. Mais le plancher doré habite tout l’espace.
Sur le sol, un vase d’argile : branche de seringat.
Et au milieu de la pièce, un vaste lit que recouvre un drapé blanc, froissé.
Mêlé aux plis, un corps, nu, endormi.
La peau est déjà hâlée, satinée.
Cheveux noirs.
À son front une mèche encore humide,
et sur les tempes, comme une perle de rosée.

Et je sais encore les soirées où la fraîcheur inonde les rues et les places.
On commence à sortir, flâner sur les boulevards, les pavés refroidis ;
les places ombragées se peuplent ; sous les arcades, la bière est glacée.
Puis les premières lumières scintillent sur les gouttes des jets d’eau.
Seuls les regards sont encore brûlants.
Et la nuit s’engouffre lentement dans les ruelles.
C’est la vie qui reprend, jusqu’à un nouveau jour.
Parfois aussi,
une pluie salvatrice,
au milieu de la nuit,
vient délaver la ville de ses passions du jour.

 

C’est l’été

Premières grosses chaleurs.
J’ai planté un rosier et des aromatiques :
de la menthe, du thym, sauge et basilic.
La maison embaume de fleurs coupées :
des pivoines écarlates qui n’en finissent pas de faner
au bord d’un pot en terre, de la jeune lavande.

J’ai jeté une vieille couverture sur le banc de bois vert ; il y fait bon dormir
à l’ombre épaisse du sureau.
Le chat dort sous la table du jardin ou se laisse bercer par le chant des oiseaux.
Je bois du thé noir à la menthe ; j’ai préparé des fraises au Grand-Marnier. Nous les mangerons quand elles seront bien fraîches.
Ainsi je me donne à la douceur de ces jours de soleil, de calme, de bonheur,
pour affronter l’hiver à venir.
Mais
seule
quand la nuit tombe,
je me lève,
je veille,
j’écris.
Car « quelque chose d’amer et de fade remonte aux lèvres comme aux fins de voyage », l’impression désolante de n’avoir pas vécu.

 

Lettre à Sarah

C’est une maison couleur de sable en haut d’une colline ; de grands portiques chargés de grappes mauves de glycine et de fleurs de passion.
Là-bas les roses ont un parfum que tu ne connais pas et elles n’ont pas d’épines, je crois.
Je t’y emmènerai, tu verras.
Tu connaîtras un vrai printemps :
l’odeur du mimosa,
du seringat
et des pivoines en fleurs.
L’été nous mangerons des baies rouges et noires,
gorgées de soleil et de sucre,
à l’ombre fraîche des acacias.
En septembre, nous goûterons les marrons au coin de la cheminée quand le soir,
dehors,
se glisse lentement sur le coteau – et je te parlerai des lapins qui dansent la nuit entre les vieux chênes.
Je t’apprendrai la pluie, le vent, la rouille des sous-bois et les brumes d’automne.
Tu verras. Ce sera bien,
quand tu seras là.

 

Entre Aubrac et Rouergue

Le pays que je vais dire est le cœur vert de la France, calme et tranquille, un écrin de verdure. Et les jours dont je parle sont avant les chaleurs de l’été, au début de juin.

La pluie tombe en rafales, mais on part quand même se promener à l’abri des bois de hêtres et de chênes tortueux, au milieu des fougères – elles sont très hautes cette année : les gens du pays disent qu’il a beaucoup plu ces derniers temps – on marche dans ces bois secrets d’animaux et de vies inconnues. On cueille un bouquet champêtre de campanules, marguerites, reine-des-prés et graminées. On le mettra ce soir dans un pot ébréché, sur le rebord de la grande cheminée.

Après le bois, une clairière au profond tapis d’herbe. Puis on longe les drailles, ces chemins aux murs de pierres tracés pour le bétail et on descend jusqu’à la rivière. Le Viaur. Elle est gorgée de boue et de déchets. Le vent vient en rider la surface.

On passe un pont bombé semblable à tous ces ponts de campagne du sud de la France, à la différence qu’il est partagé en son milieu par une borne arrondie marquant la limite de deux départements. On traverse un hameau désert : quelques poules, des chiens, un lapin en liberté, des géraniums fanés.

Puis il faut vite rentrer, avant la nuit, avant le froid.

La maison s’appelle La Méjanie ; je ne sais pas ce que cela veut dire. C’est une grande maison de pierre à flanc de coteau entre Tarn et Aveyron, aux toits de lauzes, cachés dans la verdure. Une ancienne ferme, dont les granges sont délabrées, vides de machines et de balles de foin ; les poutres sont rompues, la pierre manque par endroits et des lichens inventent un langage sur le granit.

On allume le feu, on fait griller des viandes et des pommes de terre sous la braise. Une eau glacée coule du robinet de fonte dans un évier de pierre. Le vin aussi coule glacé d’un grand pichet. On mange à la grande table de bois, sur de longs bancs, tous ensemble. On parle, on chante, on rit : que la vie est simple loin des villes !

Puis il y eut le café du matin dans des bols de déjeuner et de grandes tartines beurrées sur du pain de campagne avec un mince filet d’un miel très doux. Comme l’aurore.